DIE GESCHICHTE
Die Geschichte des Fröbelhauses
Das Fröbelhaus ist ein Fachwerkhaus in Griesheim, einem Ortsteil von Stadtilm im Ilm-Kreis (Thüringen). 1710 als „Neuenhaus“ errichtet — die Jahreszahl ist am Sandsteintorbogen eingemeißelt — war es fürstlicher Sommersitz, Forsthaus und Gärtnerei. Und es ist der Ort, an dem Friedrich Fröbels Lebenswerk begann: 1816 mietete er die obere Etage und gründete hier seine erste Schule, die „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt“.
KAPITEL I
Das Haus

Unser Haus trägt sein Baujahr im Stein: Am Sandsteintorbogen ist die Jahreszahl 1710 eingemeißelt. In jenem Jahr wurde es als „Neuenhaus“ errichtet — als Sommersitz für die Prinzen von Schwarzburg-Rudolstadt, zu dessen Oberherrschaft Griesheim damals gehörte. Mit seinem Fachwerk und den gegliederten Fassaden gehört es zu den ältesten erhaltenen Gebäuden des Ortes.
In den Jahrzehnten danach war es ein Haus des Adels: Ab 1713 wohnten hier die Familie von Griesheim und später Angehörige der Familien von Heßberg, von Ziegeler, von Pflug und von Gleichen. Nach 1730 richtete Christian Wilhelm von Lindenfels, fürstlicher Kammerjunker und Forstmeister, im Haus eine Försterei ein — der hochfürstliche Förster zog ein, und die umliegenden Höhen, der Singer Berg und der Willinger Berg, wurden zum Jagdgebiet des Fürsten.
Drei Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen: in den Balken, den Gefachen und den Fenstern. Wer genau hinsieht, liest am Haus die Handschrift vieler Generationen von Bewohnern und Handwerkern.
KAPITEL II
Friedrich Fröbel in Griesheim
1816 kam Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782–1852) nach Griesheim. Der Ort war für ihn Familienboden: Sein Bruder Christoph war hier Pfarrer gewesen, bis er 1813 — im Gefolge der Befreiungskriege — am Lazarettfieber starb. Fröbel übernahm die Erziehung der verwaisten Neffen und gab dafür seine Stelle am Mineralogischen Museum in Berlin auf.
In diesem Haus mietete Fröbel die obere Etage, um seine Neffen zu unterrichten. Am 13. November 1816 gründete er hier die „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt“. Sie begann denkbar klein: mit fünf Zöglingen aus dem eigenen Familienkreis — den drei Söhnen Christophs und zwei Söhnen seines Bruders Christian. Unter ihnen war der in Griesheim geborene Julius Fröbel, der später als Publizist und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung bekannt wurde. Der Name der Anstalt trug ein Erziehungsideal in sich: den Gedanken einer gemeinsamen, „deutschen“ Bildung in den Jahren nach den Befreiungskriegen.
„Um Johannis“ — Ende Juni 1817 — zog die junge Anstalt weiter nach Keilhau bei Rudolstadt, auf ein Gut, das Christophs Witwe erworben hatte. Die Griesheimer Gründung war Fröbels erste Schule und nahm in Struktur und Geist vieles vorweg, was später die Landerziehungsheime prägen sollte.
KAPITEL III
Fröbels Bedeutung
Was in Griesheim begann, war der Auftakt eines Lebenswerks. Fröbel entwickelte seine Pädagogik in Keilhau weiter, schrieb dort 1826 sein Hauptwerk „Die Menschenerziehung“ — und gründete am 28. Juni 1840 im nahen Bad Blankenburg den ersten Kindergarten der Welt. Das Wort „Kindergarten“, das er im Frühjahr 1840 prägte, ist heute in unzähligen Sprachen zu Hause. Dass dieser Weg in einem kleinen thüringischen Dorf seinen Anfang nahm, macht Griesheim bis heute besonders.
KAPITEL IV
Spätere Zeiten

Nach Fröbel erlebte das Haus viele Leben. Bis um 1900 blieb es Forsthaus; von 1933 bis in die 1980er Jahre wurden Haus und Garten als Gärtnerei genutzt. 1993 wurde das gesamte Anwesen unter Denkmalschutz gestellt — es folgten Jahre des Leerstands. Seit 1997 hat das Grundstück einen neuen Eigentümer; seither wird das denkmalgeschützte Gebäude und sein Außengelände in langjähriger, behutsamer Arbeit saniert.
So hat das Haus über drei Jahrhunderte Bewohner, Nutzungen und Zeiten kommen und gehen sehen — und steht bis heute. Als privates Baudenkmal wird es Schritt für Schritt erhalten und instand gesetzt.
KAPITEL V
Die Gedenktafel

An Fröbels Wirken in Griesheim erinnert eine Gedenktafel mit goldener Schrift, gestiftet 1916 zum hundertjährigen Jubiläum von der Erziehungsanstalt Keilhau und deren ehemaligen Schülern.
Am 20. Juni 2026 — 110 Jahre nach ihrer Stiftung — findet die Tafel ihren neuen Platz an einer Außenwand unseres Grundstücks: dort, wo die Geschichte ihren Anfang nahm.
„Friedrich Fröbel begann hier sein Wirken für deutsche Erziehung. Ihrem Gründer die Erziehungsanstalt zu Keilhau und deren ehemalige Schüler zum Hundertjahrtage am 13. November 1916.“
Errichtung als „Neuenhaus“ — Sommersitz für die Prinzen von Schwarzburg-Rudolstadt; Jahreszahl am Sandsteintorbogen
Adlige Bewohner (von Griesheim, von Heßberg, von Ziegeler, von Pflug, von Gleichen)
Försterei im Haus (von Lindenfels); das Haus wird Forsthaus
Tod von Christoph Fröbel, Pfarrer in Griesheim
Friedrich Fröbel mietet die obere Etage; am 13.11.1816 gründet er hier die „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt“ (fünf Zöglinge)
Umzug der Anstalt nach Keilhau („um Johannis“)
Fröbel gründet in Bad Blankenburg den ersten Kindergarten
Das Haus bleibt Forsthaus
Stiftung der Gedenktafel zum 100. Jahrestag der Gründung
Nutzung als Gärtnerei
Denkmalschutz, danach Leerstand
neuer Eigentümer, langjährige Sanierung
Die Gedenktafel zieht an unser Grundstück um
Wo steht das Fröbelhaus?
Das Fröbelhaus steht in Griesheim, einem Ortsteil der Stadt Stadtilm im Ilm-Kreis, Thüringen — etwa auf halbem Weg zwischen Erfurt und Rudolstadt.
Kann man das Fröbelhaus besichtigen?
Das Fröbelhaus ist Privatbesitz und bewohnt. Es ist von außen zu sehen; ab dem 20. Juni 2026 ist auch die Gedenktafel an der Außenwand des Grundstücks zu sehen.
Was hat Friedrich Fröbel in Griesheim gemacht?
Friedrich Fröbel mietete 1816 die obere Etage des heutigen Fröbelhauses und gründete hier am 13. November 1816 die „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt“, seine erste Schule mit fünf Zöglingen. Im Juni 1817 zog die Anstalt nach Keilhau um.
Wie alt ist das Fröbelhaus?
Das Haus wurde 1710 als „Neuenhaus“ errichtet — die Jahreszahl ist am Sandsteintorbogen eingemeißelt. Es ist damit über 300 Jahre alt und eines der ältesten erhaltenen Gebäude Griesheims.
Wem gehörte das Haus ursprünglich?
Es wurde 1710 als Sommersitz für die Prinzen von Schwarzburg-Rudolstadt gebaut, war danach Wohnsitz mehrerer Adelsfamilien und ab dem 18. Jahrhundert Forsthaus. Das belegt die Hausgeschichte aus der Griesheimer Dorfchronik.